Interview

Ein Interview mit der Autorin

Wie denken Sie über provokante Romane, wie Feuchtgebiete von Charlotte Roche?
Ich habe nur Bruchstücke daraus gelesen, fand es aber äußerst unappetitlich, was aber nicht ausschließt, dass andere Leser sich dafür auch begeistern können. Befremdet hat mich allerdings, dass ohne Rücksicht auf Aids kein Kondom verwendet wird und die Spermen durch die Gegend fliegen. Was nützt der weltweite Aufruf zur Besonnenheit, wenn alles verharmlost wird!

Sie reisen gerne, welche Orte haben Sie am meisten beeindruckt?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ob China, der Iran, Australien, Neuseeland, oder die Arktis und auch die Antarktis, jede von mir besuchte Gegend war überwältigend und die dort lebenden Menschen und ihre Kulturen außergewöhnlich und reizvoll. Je älter ich werde, umso schwieriger wird das Reisen in die Ferne und nun sehe ich, wie schön Österreich ist. In unserem Land gibt es so viele wunderschöne Seen, mächtige Berge und einzigartige Sehenswürdigkeiten, die ich noch nicht kenne und nun dabei bin zu entdecken. Jedenfalls bin ich mit Leib und Seele Österreicherin und glücklich hier mein Zuhause zu haben.

Über welche Themen schreiben Sie am liebsten?
Meine Hauptfiguren reisen, und ich führe meine Leser oft in ferne Erdteile. Immer wieder spielen meine Geschichten aber auch an bekannten Plätzen Wiens. Liebe, Harmonie, Verständnis und ein bisschen wienerischer Charme müssen aber unbedingt in meinen Storys vorkommen.

In Ihrem Roman „Die Wegbereiterin“ wird die Heldin Regina vom Lebensweg Alma Mahlers inspiriert. Wie sehen Sie die Figur Alma Mahler und ihr Leben?
Regina sieht in Alma Mahler das gewünschte Vorbild für ihr Leben. Sie bewundert diese emanzipierte Frau, übersieht dabei aber, wie rücksichtlos und grausam Alma Mahler ihre Männer erniedrigt. Als sie dies erkennt, stürzt sie die Bewunderte vom Podest. Ich für meinen Teil hätte Alma Mahler nie dort hinaufgestellt, denn eine Frau, die ihre Männer derart herabwürdigend behandelt, ist für mich kein Idol.

Was würden Sie jemandem raten, der mit dem Schreiben beginnen möchte?
Wenn man Freude daran hat, dann unbedingt damit beginnen. Aber keinesfalls erwarten, damit auf der Bestsellerliste zu landen. Es muss ja auch nicht gleich ein Buch sein. Ich habe eine ganze Menge Briefe geschrieben, sie aber nie abgesandt. Meiner Psyche haben die zu Papier gebrachten kritischen Äußerungen sehr geholfen, ohne jemanden zu kränken oder zu verletzen.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?
Schon sehr früh. Allerdings nur für mich und meine Schublade.

Was hat Sie dazu bewogen?
Die Möglichkeit meine Gedanken festzuhalten und daraus Geschichten zu formen, begeisterte mich.

Wie haben Ihre Umgebung und ihre Familie darauf reagiert?
Meine Enkelkinder wollten die Abenteuer ihres Großvaters nicht nur von mir erzählt bekommen, sondern unbedingt auch selbst lesen. So entstand dann mein erstes Buch „Der Himmelstürmer“. Ursprünglich nur als „Familienbuch“ gedacht, fand es auch bei Freunden und Bekannten großen Anklang, was mich zum weiteren Schreiben ermutigt hat.

Woher schöpfen Sie ihre Ideen bzw. welche Stoffe inspirieren Sie für Ihre Romane?
Menschen, denen ich begegne, Begebenheiten, die sich ereignen oder auch Erlebnisse auf meinen Reisen.
Aus den kleinsten und unbedeutendsten Episoden ergeben sich oft interessante Geschichten.

In welche Art von Autor würden Sie sich selbst einreihen? Wie charakterisieren Sie sich?
In erster Linie möchte ich meine Leser unterhalten und Freude am Lesen wecken. Wenn dann der Leser mein Buch spannend findet und es in einem Zug zu Ende lesen möchte, ist mein Ziel erreicht.